Frühe Förderung von Kindern: Ein Garant für späteren Erfolg?

Vor einiger Zeit widmeten viele Eltern der frühen Förderung ihrer Kinder besonders viel Aufmerksamkeit. Sie gingen davon aus, dass der Erfolg umso größer sei, je früher man mit der Entwicklung eines Kindes beginne. Große Aufmerksamkeit erhielt dabei das Buch „Nach drei ist es zu spät“ des japanischen Autors und Ingenieurs Masaru Ibuka, eines der Mitbegründer von Sony. In diesem Buch vertritt der Autor die These, dass sich das Gehirn von Kindern in den ersten drei Lebensjahren besonders stark entwickelt und dass diese Phase entscheidend für das spätere Lernen sei. Tatsächlich gibt es Fähigkeiten, die sich im frühen Kindesalter besonders gut erlernen lassen. Dazu gehören zum Beispiel musikalische Kompetenzen, das Erlernen eines Instruments, Ballett oder auch das Erwerben einer muttersprachlichen Aussprache in Fremdsprachen. In diesen Bereichen kann ein früher Beginn klare Vorteile bringen. In den letzten Jahren haben jedoch zahlreiche Studien untersucht, ob besonders geförderte Kinder später automatisch zu erfolgreicheren Erwachsenen werden. Die Ergebnisse waren überraschend: Erfolgreiche Erwachsene sind nicht zwangsläufig diejenigen, die als Kinder als besonders entwickelt galten. Anders formuliert: Ein hohes Entwicklungsniveau in der Kindheit garantiert keinen außergewöhnlichen beruflichen oder finanziellen Erfolg im Erwachsenenalter. Zwar zeigt sich, dass frühe Förderung vor allem im Sport positive Effekte hat. Außerdem werden viele dieser Menschen solide Fachkräfte in ihren jeweiligen Bereichen. Daher lässt sich nicht behaupten, dass frühe Förderung grundsätzlich eine schlechte Idee sei. Dennoch werden sie nur selten zu sogenannten Top-Performern. Studien zeigen, dass Kinder, die in der Schule besonders gute Ergebnisse in kognitiven Tests erzielten, später nur in etwa einem Prozent der Fälle ein deutlich höheres Einkommen haben. Auch Stars aus Kinderwettbewerben erreichen im Erwachsenenalter meist keine Spitzenpositionen. Eine weiterführende Analyse ergab allerdings einen Zusammenhang zwischen dem Studium an Eliteuniversitäten und dem späteren Einkommen. Etwa acht Prozent der Absolventinnen und Absolventen solcher Hochschulen erzielen überdurchschnittlich große berufliche Erfolge. Dies deutet darauf hin, dass nicht allein frühe Förderung, sondern vielmehr langfristige Faktoren wie Bildungsumfeld, Motivation und soziale Netzwerke eine entscheidende Rolle spielen.